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SchwachPerfekt 
Geschrieben von: Harald Sperl   
Donnerstag, 22. Juli 2010 um 12:33 Uhr
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Hallo Trias,

 

mit einigen Tagen Verspätung (musste mich erst wieder sammeln) kommt der Bericht zur Challenge Roth.

Aber wie fange ich an?!

Eigentlich bin ich immer noch tief enttäuscht über den Ausgang, wobei langsam doch das Gefühl des "gefinisht zu haben" überwiegt.

Die Zeit von 12:40h ist natürlich miserabel, spiegelt aber auch nicht den Wettkampf und die Umstände, wie sie zustande gekommen ist, wieder.
Nach dem letzten Test am Dienstag vor dem Wettkampf hatte Jürgen Sessner sich doch sehr positiv über meine Trainingsfortschritte geäussert. Und ich fühlte mich auch wirklich fit und für eine Zeit unter 11h gewappnet. Als Pulswerte hatte ich fürs Rad max. 145 und Lauf max. 140 erhalten. So ergab sich eine 5:20h - 5:30h auf dem Rad und 3:45h - 3:50h für den Marathon. Schwimmen hatte ich mit max. 1:15h eingeplant. Incl. Wechselzeiten wäre im optimalen Fall eine 10:30 rausgekommen.


Ja ja, ich weiß: Hätte, wäre, wenn...und das auf einer Langdistanz, wo wirklich alles passen muss und auch alles schiefgehen kann. Na ja, alles ist dann doch nicht schiefgegangen, aber mehr dazu später.

 

 

Ich bin am Freitag nachmittag in Hilpoltstein angekommen, begrüßt durch Dutzende Schilder und Fahnen mit dem Challenge Logo und von Triathleten die den Solarer Berg mit Ihren Wettkampfrädern erklommen. Man merkt schnell, dass die gesamte Region um Roth hier hinter dem Event steht und scheinbar jedes Jahr aufs Neue versucht, das Beste aus dem Vorjahr noch zu verbessern. In den Tagen meiner Anwesenheit (bin erst am Montag nach der Siegerehrung wieder Richtung Heimat gefahren) habe ich kein einziges Mal einen unfreundlichen oder ungeduldigen Menschen getroffen. Und es ist sicher nicht leicht, bei einer Horde tausendener Triathleten samt Begleitpersonen immer die Ruhe zu bewahren und immer freundlich auf dieselben Fragen zu antworten, den Weg (zu den Wettkampfstätten, zum nächsten Bäcker usw.) zu weisen.

Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei den Einwohnern der Region, den Helfern, den Organisatoren und allen, die auch Ihren Teil zum Gelingen dieses fantastischen Events beigetragen haben, bedanken:

 

HERZLICHEN DANK und RESPEKT für den super Job!

 

Nachdem ich am Rothsee noch einen der letzten Campingplätze erhaschen konnte und diesen gleich markiert Lachen habe (hey, ich meine mit einem Absperrband), bin ich dann auch gleich losgezogen, um die wichtigsten Einkäufe zu erledigen. Wieder zurück wurde dann mein Auto zum Schlafplatz umfunktioniert und etwas Ordnung in das Chaos aus Klamotten, Werkzeug, Lebensmittel und Triathlon-Equipment gebracht. Die ersten Kontakte mit den mich umgebenden Athleten wurden auch geknüpft und nach einer Visite der sanitären Anlagen und einem kurzen Sprung in den Rothsee war es dann auch Zeit für die Nachtruhe. Die wurde dann irgendwann nächtens durch ein Gewitter unterbrochen und ich musste kurzerhand mein Bike zu mir ins Auto holen. Wurde zwar etwas eng, aber was tut man (ein Triathlet) nicht alles für sein Sportgerät.

Samstag früh war ich dann doch etwas zerknautscht und vor allem etwas planlos. Wie geht es weiter, was mache ich als nächstes? Na ja, was macht Triathlet in einem solchen Falle? Natürlich, erst mal was essen Cool. Nach Frühstück und weiteren Einkäufen ging es dann los in Richtung Roth, um sich die Startunterlagen zu holen, denn ohne die ist kein Einchecken des Rades (Samstag zwischen 12.00 uhr und 17.30 Uhr) möglich. In Roth angekommen hieß es dann erstmal über eine Stunde in der Hitze anstellen, um dann endlich die Unterlagen zu erhalten. Hier habe ich auch die ersten Verbesserungsmöglichkeiten: Kostenlose Weißbierversorgung (natürlich alkoholfrei) für die Schlange stehenden Athleten und vor allem mehr SchattenWinken.

Unterlagen kurz gecheckt, Rundgang über die Triathlonmesse (natürlich mit Erdinger Alkoholfrei immer am Mann), dann wieder Richtung Zeltplatz.

Hier ging es nun daran, sich zu orientieren in welchen drei Beutel, was rein kommt (schwierige Entscheidung, erfordert ca. 1000faches Durchspielen des Wettkampftages vor dem geistigen Auge - puuhh) und wo welcher Beutel abgegeben werden muss - und vor allem WANN?

Als nächstes der Abschlußcheck des Wettkampfrades. So weit alles klar, kurze Testfahrt - passt!

Sachen zusammen gepackt und mit den Nachbarn Richtung Bike Check-In abgedüst. Gott sei Dank sind wir zu einem Zeitpunkt dort aufgeschlagen, an dem nicht viel los war. Stellplatz gesucht, Helm deponiert und mit einer Bike-Garage das gute Stück zugedeckt - und traurig gewesen, weil ich die Nacht ohne meinen Liebling verbringen musste Verlegen

Abends sind wir dann in Hilpoltstein noch gepflegt Kohlehydrate schaufeln gegangen - wat mut dat mut (sagte mein Nachbar).

Ja und dann schlafen, wobei mir schon klar war, dass nicht sehr viele Ruhestunden zusammenkommen werden (ich glaube es waren insgesamt DREI).

Um halb vier war dann die Nacht vorbei, wieder zusammen mit den Kollegen gefrühstückt und weitere 1000 Mal den Ablauf des heutigen Tages, mit ständig steigender Nervosität und dem Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben, durchgespielt.

Und dann? Beutel geschnappt, Verpflegung (Gel, Riegel, Trinkflaschen etc.) eingetütet und dann ab Richtung Start, denn schon um 6.00 Uhr ist der Start der Profis und den sollte man sich nicht entgehen lassen. Auf der Brücke über den Kanal (unter die wir später auch noch schwimmen werden) warten bereits Hunderte Zuschauer nervös auf den ersten Startschuß. Wir sind erstmal zu unseren Rädern, haben den Rest dort deponiert, Reifendruck kontrolliert und - festgestellt, dass ich zwei tiefe Schnitte im vorderen Mantel habe. Hmmm, Risiko und fahren oder zur Service Station und neuen Mantel drauf? Habe ich dann auch gemacht, hatte ja genügend Zeit (mein Start war ja erst um 7:35Uhr).

Und dann war es soweit: meine Startgruppe wurde aufgerufen und 5min. später fiel der Startschuß.

Schwimmen ist ja nicht meine Stärke und so hatte ich geplant, nach 1:20h auf dem Rad zu sitzen (1:15h für swim und Zeit in der T1 max. 5min.). Nun bekam ich auf den ersten hundert Metern gleich einen Tritt an den Kopf, hauptsächlich an die Brille. Die Folge war, das dieses Drecksding '!=#''! nicht mehr dicht war und ich in der Folge alle paar hundert Meter stehenbleiben musste um die Brille zu entleeren. So kam halt überhaupt kein Rhythmus in die Sache und ich kam erst nach 1:23 aus dem Wasser. Nachdem der Wechsel dann etwas schneller erfolgte, saß ich nun nach 1:27h auf dem Rad - und ich kann Euch sagen, der Wutpegel war in etwa dem Frustpegel gleich, nämlich schon nahe am Maximum Schreien.

Anfangs war es schwierig, die Pulsvorgabe von Jürgen einzuhalten, vor allem an Steigungen waren es schonmal 150 Schläge. Hab mich von Anfang an super auf dem Rad gefühlt, trotzdem aber die eher konservative Variante gewählt, um nicht alle Körner zu vergeuden. Die Stimmung an der Radstrecke, vor allem an den Steigungen und in den Ortschaften ist einfach nur genial! Den Solarer Berg fährt man im Zuschauerspalier, Gänsehaut pur! Und ich konnte Platz um Platz gut machen: Immer niedriger wurden die Startnummern der Fahrer, die ich überholen konnte, was mich zusätzlich motivierte. Nach 5:29h auf dem Rad kam ich dann in die T2. Dort musste ich mich zunächst wieder an den aufrechten Gang gewöhnen. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann mal schmerzfrei auf dem Rad sein werde, aber ich bin erstaunt, wie schnell man diese Schmerzen auch überwinden (ignorieren) kann...

In der T2 wurde dann sofort von einem Helfer Sonnencreme aufgetragen, während ich meine Schuhe schnürte und Gels in meinen Taschen verstaute. Dann gings los, noch das Käppi auf und ab auf die Laufstrecke. Auch hier war zunächst Zurückhaltung angesagt, zumal es auch leicht bergan ging. Nach einigen KM bemerkte ich, dass ich schon seit geraumer Zeit das gleiche Tempo wie mein Vordermann lief. Wir haben uns dann kurz unterhalten und eine gemeinsame Marschroute festgelegt, mit dem Ziel 5:35min/km. Bei KM 12.5 hatten wir 5:32min/km, es schien also alles gut zu laufen. Ich bemerkte aber dann so nach 15km, dass mein Puls immer weiter in den Keller ging, ich zunehmend Probleme mit der Atmung bekam und so auch immer langsamer wurde. Das war nun der Anfang vom Ende. Wir liefen dann noch eininge KM zusammen weiter und während mein Mitstreiter eine Pinkelpause einlegen musste, trabte ich gemächlich weiter. Bei KM24 war es dann zu Ende. Ich bekam einfach keine Luft mehr, konnte nur noch "flach" atmen, ich schätze so um die 40-50%, mehr war nicht drin. Jeder Versuch, durchzuatmen verstärkte die in mir aufsteigende Übelkeit und irgendwann ließ ich es dann bleiben und wanderte einfach weiter. Ich bekam Schüttelfrost mit Zähneklappern (bei um die 30°), immer wieder  Schwindel und Übelkeit und einfach keine Luft. Auch hatte ich keinen Hunger, allein der Gedanke an Gels o.ä. steigerte meinen Brechreiz. So standen nun 18km vor mir und die Frage: Aufhören oder weitergehen?

Ich weiß nicht, wie oft ich mir diese Frage gestellt habe, aber ich war sehr häufig dem Aufgeben nahe (vor allem, wenn ich an Sanitätern vorbeikam - oder an biertrinkenden Zuschauern, die für mich gerade im siebten Himmel zu sein schienen) Verlegen.

Es ist frustrierend, von all denen, die ich auf dem Rad überholt hatte, beim Laufen wieder eingesammelt zu werden. Aber ich ging einfach weiter und weiter - mit dem Aufhören-Teufelchen auf der linken Schulter und mit ihm kämpfend, dem Finishen-Engel auf der rechten Schulter. Rund 3,5h hab ich für die 18km gebraucht und irgendwann war es dann doch so weit: Dem Ziel nahe, begann ich nochmal zu laufen und überquerte laufend die Ziellinie.

Die Medaille (samt einem breiten Grinsen) bekam ich dann von Chrissie umgehängt und auch Sebastian Kienle versorgte finishende Athleten mit der Siegermedaille und Glückwünschen.

Ich wollte nur noch zum Auto, mich verkriechen und heulen. Der Frust war einfach überwältigend. Wieder einmal hatte mir mein Körper einen Streich gespielt und alle Planung über den Haufen geworfen. Einer meiner ersten Gedanken war: Ich muss meine Anmeldung für den IM Regensburg 2011 stornieren, denn so hat es keinen Sinn, auch nur eine weitere Langdistanz anzugehen.

Zunächst stillte ich jedoch meinen Durst mit einem alkoholfreien Weißbier und einigen Wurst- und Käsesemmeln (wie geil ist das denn, nach der ganzen Isoplörre und dem Verzehr von tonnenweise Gel).

Dann hab ich mir noch eine Massage gegönnt und anschließend ging es gleich ein Stück besser. Immer noch frustriert, stellte ich fest, dass es mir körperlich wirklich gut ging (dies sollte sich auch an den Folgetagen nicht ändern). Dieser Umstand zeigte mir, dass ich wirklich gut trainiert und vorbereitet war und eigentlich topfit.

Das Problem liegt einfach woanders: Ich habe ja immer wieder Probleme bei langen, intensiven Einheiten, vor allem wenn es warm ist. Bin ja Allergiker (Pollen) und schätze mal, dass es sich um Asthma (allergisches oder Belastungsasthma) handelt. Ich muss mich untersuchen lassen und sehen, was dagegen zu machen ist.


Nach kurzer Wartezeit wurde ich dann von meinem Campingnachbarn abgeholt und zurückgefahren. Nach kurzer Verabschiedung, stelle ich dann fest, dass bereits alle um mich die Heimreise angetreten hatten...so war ich nun alleine mit meinem Leid und Frust.

Montag: Nach einiger Überlegung entschloß ich mich doch nochmal nach Roth zu fahren, um an der Siegerehrung teilzunehmen und ich habe es wirklich nicht bereut.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich das künftig nicht entgehen zu lassen, denn die Siegerehrung ist nochmal Gänsehaut und Emotionen pur. Und wenn ich mir so manchen PRO angesehen habe, wir er das Siegertreppchen erklommen hat - dagegen ging es mir ja richtig gut Grinsen


Die Challenge Roth ein super geiles Event.
Das alleine ist schon ein Grund, wieder nach Roth zu kommen. Und ich habe ja ab jetzt einen Grund mehr, da ja noch eine Rechnung mit Roth offen ist Lachen

Ja, so ist es mir ergangen - und Euch?

Würde mich freuen, Eure Kommentare, Erlebnisse, etc. im Forum zu lesen.


Viele Grüße und weiterhin gutes Training bei bester Gesundheit

Harald

 

PS: Der Blog geht natürlich weiter, versprochen...

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 22. Juli 2010 um 12:44 Uhr
 
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